Samstag, 25. April 2020

Erinnerungen an Norbert Blüm


Norbert Blüm lebt nicht mehr. Der CDU-Politiker und langjährige Bundesarbeitsminister ist gestorben. Ich erinnere mich gerne an einen lebenslustigen Menschen, der (fast) immer ein Lächeln auf den Lippen hatte. Kennengelernt habe ich ihn Anfang der 1990er Jahre - zu einer Zeit, als ich unter anderem als Reporter noch viel selbst fotografiert habe. Im Laufe der Jahre sind wir uns immer wieder begegnet. Und ich habe ihn nie - so wie manche andere Politiker und Prominente - abweisend oder arrogant erlebt.

Gut gelaunt zu Hause
In seiner Bonner Wohnung empfing Norbert Blüm auch stets gut gelaunt zum Interview. Auch wenn es eilig war, hatte er immer einen frischen Kaffee und ein paar persönliche Worte parat. Auch in der Öffentlichkeit war er stest für eine Pose gut. So berichtete ich einst für das Bonner Anzeigenblatt "Schaufenster" über ein Straßenfest im Stadtteil Duisdorf. Begleitet von einem Pulk aus Journalisten suchte Blüm das Gespräch mit vielen Menschen, trank hier und da ein Kölsch oder einen türkischen Tee, griff auf der Bühne zu Blasinstrument und Dirigentenstab.

Handstand auf dem Straßenfest
Diese Fotos aber hatten alle - und ich wollte doch als jungen Journalist zeigen, dass selbst ein Anzeigenblatt exklusive Bilder veröffentlichen kann. Also sprach ich Norbert Blüm einfach an. Grinsend fragte er zurück: "Was soll ich denn Ihrer Vorstellung nach jetzt machen? Einen Handstand, oder was?!" Freundlich antwortete ich ihm: "Hm, wenn Sie das schon selber vorschlagen, warum eigentlich nicht?" Flugs zog er sein Jackett aus, legte es auf den Boden und erkundigte sich, ob ich meine Kamera "schussbereit" hätte. Nachdem ich das bestätigt hatte, stellte er sich tatsächlich auf den Kopf. Ich werde diesen Reportereinsatz mit einem ungewöhnlichen Menschen nie vergessen.

Soziales Gewissen der CDU
Wir sind uns noch unzählige Male begegnet. Persönlich bewunderte ich seine politische Haltung, nicht umsonst wurde er gern als "soziales Gewissen" der CDU bezeichnet. Er sorgte dafür, dass soziale Themen in der Union nicht "unter die Räder kommen". Der Mann, der sich aus einfachen Verhältnissen "hochgearbeitet" hatte, hat seine Herkunft niemals vergessen. Er setzte sich für die Schwachen ein - so bei seiner Reise noch vor wenigen Jahren in ein Lager für Geflüchtete. Oder als wir einen Verbandstag des DJV (Deutscher Journalisten-Verband) in seiner Heimatstadt Bonn planten.

Einsatz für die Pressefreiheit
Ich rief ihn an und fragte ihn, ob er bereits wäre, zu einer Demonstration für die Freilassung türkischer Journalistinnen und Journalisten zu kommen, dort zu reden. Er sagte spontan zu, hielt ein leidenschaftlichen Plädoyer für die Pressefreiheit und ließ symbolisch Luftballons mit uns steigen. Diesmal konnte ich das nicht fotografieren. Diesmal durfte ich als DJV-Bundesvorsitzender neben ihm stehen. Norbert Blüm wird mir fehlen. Und er wird dieser Gesellschaft fehlen.

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