Dienstag, 9. Dezember 2014

Der CDU in Köln den Protest zwitschern!



Köln wird zum Mekka der Christlich-Demokratischen Union. Am 9. und 10. Dezember 2014 werden rund 1.000 Delegierte der CDU aus ganz Deutschland nach Köln pilgern, allen voran Bundeskanzlerin Angela Merkel. Der Parteitag ist das wichtigste Gremium der Union. Er wählt den Bundesvorstand und stellt die grundsätzlichen politischen Weichen. Das virtuelle Symbol des Kölner Parteitags ist der hashtag #cdupt14 bei twitter. Und ich denke, es gibt da etwas, auf das man die CDU-Basis unbedingt hinweisen sollte: Das Thema Tarifeinheit. Deshalb habe ich mit einigen Mitgliedern des Deutschen Journalisten Verbands (DJV) eine soziale Netzwerk-Aktion gestartet:

Lasst uns der CDU unseren Protest gegen das Tarifeinheits-Gesetz zwitschern!



Versehen mit dem offiziellen Parteitags-Hashtag #cdupt14 sollten viele Menschen ihrem Unmut Luft machen: Die unsinnigen Pläne, wonach nur noch die stärkste Gewerkschaft in einem Betrieb Streikrecht haben soll, verstoßen gegen die Verfassung und sollten nicht beschlossen werden. Schön wäre es, wenn Delegierte einen Eilantrag beim Kölner CDU-Bundesparteitag einbringen würden, um dieses Projekt der Großen Koalition zu stoppen. Es kann doch nicht sein, dass eine von einer Unions-Kanzlerin angeführte Regierungsmehrheit bewusst etwas Verfassungswidriges beschließt!

Nachtrag: newsroom.de hat über die Aktion berichtet. Mehr dazu unter diesem Link.

Dienstag, 7. Oktober 2014

Boxen im "anderen 1.": Schnäppchenpreis?!







Ich habe ja nie verstanden, warum ich Gebühren dafür bezahlen muss, damit sich andere Menschen herzhaft auf die Nase schlagen: Boxen "im Ersten" war eine Sendung, die ich mir wahrhaftig nie angeschaut habe. Jetzt wechseln die Sportschlägertypen also den Sender, hin zu "anderen Eins", zu Sat1. Organisierte Schlägerei ist fortan kein öffentlich-rechtlicher Auftrag mehr, sondern ein blutiges Privat(fernseh)vergnügen. Richtig so!

Aber, warum wird berichtet, dass Sat1 nur noch halb so viel für die Übertragung der Box-Events zahlen muss wie die ARD? Ist der brutale Sport quasi per Faustschlag urplötzlich so wenig wert geworden? Oder haben wir womöglich eine lange Zeit mit quasi öffentlichen Geldern eine äußerst fragwürdige "Grundversorgung" zu teuer bezahlt?

Ist das einer der Gründe, warum die Anstalten nun am Programm sparen müssen, an journalistischer Qualität, an origineller und sachkundiger redaktioneller Erfüllung des Programmauftrags? Wie auch immer: Der Spuk scheint beendet. Und das ist auch gut so. Man kann das gar nicht oft genug wiederholen. Jetzt haben die Verantwortlichen der ARD offenbar mehr Geld in der Kasse, durch den Ausgabenverzicht im Boxstall. Ich freue mich auf den Sendeplätzen auf spannende, von ARD-Journalistinnen und Journalisten erarbeitete Dokumentationen und Reportagen!


http://www.dwdl.de/nachrichten/47913/sat1_wird_neue_heimat_fuer_sauerlandboxkaempfe/
(Hintergrund-Meldung zum Thema beim Mediendienst dwdl.de)

Montag, 1. September 2014

Politikeinheit nach der Tarifeinheit?!


Die Idee kommt mit einem sperrigen Wort daher: Tarifeinheit. Wer sich als Arbeitgeber nicht mit verschiedenen Gewerkschaften herum schlagen will, die sich jeweils für ihre Klientel in verschiedenen Gewerken einsetzen, soll künftig nur noch mit einer Arbeitnehmerorganisation verhandeln dürfen. Nur noch die jeweils stärkste Gewerkschaft soll ein Mitspracherecht haben. Sondergewerkschaften wie der Deutsche Journalisten Verband (DJV) wären dann in manchen Betrieben außen vor. So will es die Große Koalition aus CDU und SPD. Die neueste Idee dabei: Ein Notar soll für jeden Betrieb verbindlich feststellen, welche Gewerkschaft dort die meisten Mitglieder und damit das Sagen hat. Führende Rechtsexperten halten das für verfassungswidrig. Aber das kümmert Bundespolitiker oft nicht die Bohne o- sie erlassen gerne mal Gesetze, die anschließend von den Verfassungsgerichten aus Bundes- und Landesebene kassiert werden.

Aber wenn das mit der Einschränkung der gewerkschaftlichen Demokratie den Damen und Herren in der Politik so ein dringendes Anliegen ist, sollte man sie doch beim Wort nehmen: So könnten sie analog zur bequemen Tarifeinheit eine mindestens genauso relaxte Politikeinheit beschließen. Ein Notar stellt fest, wer in einem Parlament die stärkste Partei ist, und die ergreift dann ganz locker die Macht, die anderen müssen draußen bleiben. Sowas hatten wir in Deutschland schon mal, und wir sind nicht besonders gut damit gefahren. Deshalb haben wir uns ein Grundgesetz gegeben, das solche Großsucht-Spielereien verhindert. Eine Verfassung eben. Und es sollte eigentlich demokratischer Konsens sein, dass man gegen die Verfassung nicht verstößt. Ob die großkoalitionären Politiker daran bei Gelegenheit noch mal denken? Gerade die mit regierende SPD dürfte dafür doch allen Anlass haben. Ihre Wahlergebnisse deuten nicht eben darauf hin, dass sie in der Lage ist, ständig beste Wahlergebnisse einzufahren und stärkste Partei zu werden. Politikeinheit ist also wahrscheinlich doch keine so brillante Idee. Tarifeinheit auch nicht.

Donnerstag, 14. August 2014

Köln, ach: Mein Köln...


Da komme ich aus dem Urlaub zurück und überfliege die unzähligen (Presse-) Mitteilungen in meinem Mailpostfach - und freue mich über drei weltbewegende Nachrichten, die aus dem kommunalen Presseamt der Stadt Köln hoch offiziell mitgeteilt werden:

In einer ellenlangen Textversion wird angepriesen, dass der Titanwurz (Amorphophallus titanum) in der Kölner Flora bald blühen wird. Bis zu drei Meter hoch kann eine solche Blüte sein. "Wegen ihrer Seltenheit erregt die Blüte der Titanwurz regelmäßig das Interesse der Medien und des Publikums", wissen die stadtverwaltende Presseleute stolz zu verkünden. Phallus und Erregung in einer einzigen Mitteilung - wenn das nicht sensationell ist! Sobald die Blüte der Titanenwurz sich öffne, werde man "kurzfristig mit einer gesonderten Pressemitteilung" darüber informieren. Ich freue mich drauf.


Aber Köln hat nicht nur Schönes zu bieten: Die zweite von mir begutachtete Presse-Info beschreibt, dass die klamme Kommune sich keine Klimaanlage für ihr Stadtmuseum leisten kann. Deshalb wird`s da im Sommer ein bisschen heiß - zu heiß für Exponate der Ausstellung "Köln in unheiligen Zeiten - Die Stadt im Dreißigjährigen Krieg". Die müssen jetzt in den kalten Keller, wo Besucher des Stadtmuseums nicht hin dürfen. Sie zahlen für die Sonderausstellung deshalb auch nur noch die Hälfte des Eintrittspreises. Und schwitzen.


Und, dann amtliche Mitteilung Nummer drei: "Wasserspiele auf dem Breslauer Platz" hinter Kölns Hauptbahnhof sollen endlich in Betrieb genommen werden. Beim Umbau des Platzes hatte es Schlampereien gegeben, die Medien waren voller hämischer Berichte. Jetzt also die Fertigstellung - immerhin schneller als beim Berliner Flughafen. Also, wann beginnt der neue Brunnen wirklich zu sprudeln? Jetzt, sofort, unverzüglich? "Voraussichtlich Ende August", heißt es von der Stadt Köln. Wenn nichts dazwischen kommt, soll das wohl heißen. Vielleicht auch nicht. Falls noch Schlampereien auftauchen. Oder es zu heiß ist. Oder der erregte Titanenwurz zu viel Aufmerksamkeit veansprucht. Oder was auch immer. "Wenn die restlichen Arbeiten an der Platzfläche beendet und die Probeläufe für den Brunnen erfolgreich abgeschlossen sind, wird die Stadt über den genauen Termin für die Inbetriebnahme zeitnah informieren", schließt sich ach-so-wichtige Pressemitteilung. Also gibt es auch zu diesem Thema bald wieder eine amtliche Information. Ich brauche wieder Urlaub!

Donnerstag, 17. Juli 2014

Fußball, Gauchos, Balla-balla...

Hurra, sie ist vorbei! Die Fußball-Weltmeisterschaft rangiert bei mir mangels sportlichem Interesse ungefähr auf einer Stufe mit der Regionalmeisterschaft im Hallenjojo für die Südeifel. Die journalistische Begleitung des Großereignisses (ich meine jetzt die WM) hat - bei den wenigen Texten und Sendungen, denen ich mich nicht entziehen konnte - meine Nerven doch arg strapaziert. Was selbst öffentlich-rechtliche Sender da an "Information" feilgeboten haben, war zum fremd schämen: Fast schon niveauvoll wie die Kommentare mancher Fußballer. Sei's drum, es ist vorbei! Und das ist auch gut so. Aber ein letztes Mal bäumt sich die Fußball-Euphorie dann doch noch auf, und darüber gibt es einen Diskurs, den ich mir in seiner Intensität mal bei Themen wie Überwachung, Pressefreiheit oder Armut gewünscht hätte. Die Rede ist vom "Gaucho-Gate". Dem Absingen eines dümmlichen Liedes, das überraschenderweise die argentinischen Finalgegner nicht hymnisch verehrt sondern - aufgepasst! - tatsächlich lächerlich macht. Was hatten wir von den extrovertierten Ball-Philosophen denn anderes erwartet? Und: Glaubt tatsächlich irgend jemand in dieser Republik, dass da nationalistisches Gedankengut in der Textmelodie bewußt oder auch nur unbewußt mitgeschwungen ist?  Ganz ehrlich: Ich verstehe die ganze Aufregung nicht. Aber das muss ich auch nicht. Ich habe ja keine Ahnung von Fußball. Von Hallenjojo übrigens auch nicht.

Sonntag, 6. Juli 2014

Krass! Sie werden nicht glauben, was man von Ladendetektiven lernen kann!

Warum gibt es eigentlich Ladendetektive? Meist sind es Männer, die plötzlich hinter dem Supermarktregal auftauchen, sich betont unauffällig bewegen, eine gewisse Strenge in ihren Augen stehen haben, die also schlicht unangenehm wirken. „Kann ich mal bitte in Ihre Tasche schauen?“, ist dann der Angst einflößende Spruch – nicht, weil man etwas gestohlen hätte, sondern weil dieser Eingriff in die Privatsphäre eben einfach unangenehm ist. Trotzdem sind sich ehrlich Kundinnen und Kunden darüber im Klaren, dass man Ladendetektive braucht. Es gibt eben doch zu viele kriminelle Zeitgenossen, die damit auch die Preise für die Waren in die Höhe treiben. Der Schaden von Ladendiebstahl wird schließlich auf die Verkaufspreise drauf gedrückt, die wir alle bezahlen. Und: Wir wollen nicht mit bezahlen für Menschen, die die Gesellschaft vorsätzlich kriminell schädigen!


Schreiben der "Künstlersozialkasse"
So einleuchtend diese Gedanken sind, so empörend sind sie für die deutsche Wirtschaft, wenn sie auf einen anderen Lebensbereich angewendet werden: Nach einem neuen Gesetz sollen die Beitragszahlungen zur „Künstlersozialkasse“ häufiger und strenger kontrolliert werden. Endlich ist der Ladendetektiv für Deutschlands kreativ Tätige da. Also, ein erst zu nehmender Staatsdetektiv, der zumindest vorsätzlich kriminelle Schädiger erwischen KÖNNTE. Bisher gab es so wenige Prüfungen, dass es äußerst wahrscheinlich ist, dass sich viele Firmen vor der gesetzlich vorgeschriebenen Abgabe in krimineller Form gedrückt haben. Jetzt soll sich das ändern. Mit überbordender Bürokratie hat das nichts zu tun. Wer bisher schon ehrlich war, hat bei solchen Prüfungen doch nichts zu befürchten. Und: Wir wollen auch bei der Künstlersozialkasse über unsere Steuergelder nicht bezahlen für Menschen, die die Gesellschaft vorsätzlich kriminell schädigen!

Freitag, 4. Juli 2014

Unzufriedenheit ist eine Gefahr

Unzufriedene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind gefährlich. Davor warnen jetzt die Verantwortlichen bei Geheimdiensten. Das gilt aber nicht nur für die sprichwörtlichen Schlapphüte: Es gilt auch für diejenigen, die "was mit Medien" machen. Obwohl der Beruf des Journalisten oder der Journalistin auf der Beliebtheitsskala nicht besonders weit oben steht, drängen nach wie vor junge Menschen in die entsprechenden Job. Journalismus gilt vielen als Berufung, sie brennen für diesen Beruf. Es ist ja auch ein prima Leben: kreativ sein, mit Menschen arbeiten, Öffentlichkeit herstellen. Doch Unzufriedenheit ist zunehmend auch in dieser Branche ein Problem. Hoch Qualifizierte, exzellente Journalistinnen und Journalisten bekommen zuweilen kaum noch eine Chance. Sie sind unzufrieden, weil sie um ihren Job fürchten müssen. In Verlagen, in Sendern - immer häufiger fallen redaktionelle Stellen oder Auftragsvergaben dem gnadenlosen Rotstift zum Opfer. Wie will man da noch kreativ sein, aufrichtig und neugierig auf Menschen zugehen, gesellschaftlich notwendige Öffentlichkeit schaffen - wenn gleichzeitig Existenzängste drohen? Gute Arbeit verdient gutes Geld. Das gilt auch und gerade für den Journalismus. Nur wer im wahrsten Sinne des Wortes anständig zahlt, wird mit Spitzen-Journalismus Geld verdienen können. Eigentlich bräuchte man für diese Erkenntnis gar keine Geheimdienste - darauf könnte man auch selbst kommen...